Micoud-Wirrwarr bereitet Sorgen

Amüsiert hatte sich Thomas Schaaf zu Wochenbeginn noch über die Meldungen zu Johan Micoud gezeigt. Ob der Trainer, derzeit auf Beobachtungsreise bei der U 21-EM in Portugal, angesichts des Wirrwarrs um seinen Spielgestalter nach wie vor Gelassenheit zur Schau trägt, bleibt offen.
Deutlich wurde im Trainingslager der Nationalmannschaft jedenfalls Werders Top-Star Miroslav Klose. "Ich wäre sehr, sehr enttäuscht, wenn Johan geht", so der Stürmer, "es wäre ein schwerer Verlust, der für die Mannschaft nicht aufzufangen ist."

Offiziell gibt es von Bremer Seite nichts in Sachen des Franzosen zu vermelden. Anders als beim bevorstehenden Wechsel von Nelson Valdez nach Dortmund, der die Stürmersuche der Norddeutschen forcieren wird, bleibt Vieles noch im Nebulösen. Doch angesichts der Meldungen aus Frankreich besteht berechtigter Anlass zur Sorge, dass das Vorhaben sogleich pulverisiert wird, mit Micoud und dem gerade für sechs Millionen Euro aus Porto verpflichteten Brasilianer Diego (21, Vertrag bis 2010) die zentrale Position für höhere Champions-League-Ansprüche doppelt zu besetzen. Am Montag hatte "Le Chef" eines seiner bekannten Interviews in einem französischen Radiosender gegeben. Tenor: Er wolle Bremen verlassen und eine neue Herausforderung suchen, die er in Frankreich oder sogar England sehe. Offen, ob Bordeaux oder eventuell PSG sein neuer Klub werde. Micoud: "Ich werde mir Zeit nehmen und die Angebote abwarten." Demselben Sender jedoch verriet Jean-Louis Triaud, Vorsitzender des Liga-Zweiten Girondins Bordeaux, von Verhandlungen mit Micoud. Der 32-Jährige soll einen Vertrag bis 2008 erhalten. Drahtzieher des Deals offenbar: Michel Pavon, heute auf Funktionärsebene für Girondins tätig, mit dem Micoud einst Seite an Seite in seiner ersten Zeit bei den Franzosen (1996-2000) spielte. Micoud zieht es mit Macht in die Heimat zurück, wohl auch, weil sich die vielleicht letzte Chance auf einen guten Kontrakt bei einem arrivierten Klub der Ligue 1 bietet – nach dem Verpassen des WM-Zuges zwar, aber nach guten Leistungen in Bundesliga und Champions League. Werder, das auf Signale aus Frank- reich wartet, müsste zugleich abwägen, ob ein dann unzufriedener "Monsieur" dieses Potenzial im neuen Jahr noch einmal abrufen könnte.

Michael Richter

Quelle: www.kicker.de

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