Torloses Remis im Spitzenspiel

Das Spitzenspiel des 31. Bundesliga-Spieltages endete mit dem unattraktivsten aller denkbaren Resultate: Werder Bremen und Schalke trennten sich 0:0. Mit einer trostlosen Nullnummer hatte das Geschehen auf dem Rasen des ausverkauften Weser-Stadion dennoch nicht viel zu tun. 42.100 Zuschauer sahen ein von der ersten Minute an spannendes und über weite Strecken temporeiches Spiel, das mit zahlreichen Torchancen auf beiden Seiten gespickt war.

Cheftrainer Thomas Schaaf hatte seiner Mannschaft nach dem 1:1 in Wolfsburg eine personelle Umstellung verordnet. Daniel Jensen kam für Petri Pasanen ins Team und agierte zunächst im rechten Mittelfeld, Patrick Owomoyela kehrte dafür auf seine angestammte Position als rechter Verteidiger zurück. Die Anfangsminuten des Duells um den dritten Platz gehörten den Schalkern, die sehr kompakt standen und den Bremer Spielaufbau aggressiv und erfolgreich störten. Dennoch waren es die Grün-Weißen, die sich die erste Torchance erspielten. Nach einem langen Ball auf Miroslav Klose legte der Nationalstürmer zurück an die Strafraumgrenze zu Johan Micoud, der aber vor dem Abschluss vom Ball getrennt wurde (7.).

Christian Schulz gewinnt einen Zweikampf gegen Schalkes Spielmacher Lincoln.

In der Folge legten die Bremer ihr anfangs fehlerbehaftetes, nervöses Auftreten mehr und mehr ab und demonstrierten den Schalkern nun, wer Herr im Hause war. Eine Torchance nach der anderen war die Konsequenz. Naldo blieb nach Micouds Ecke Kopfballsieger, Patrick Owomoyela prüfte aus wenigen Metern Torentfernung den Ex-Bremer Frank Rost (17.). Dann spielte Micoud einen tollen Pass auf Klose, doch Rost verkürzte den Winkel und Klose traf den Ball nicht optimal (20.). In der gleichen Minute musste Rost sich bei einem platzierten Distanzschuss lang machen und konnte zur Ecke klären. Eine Freistoßflanke von Christian Schulz aus dem Mittelfeld setzte Frank Fahrenhorst mit dem Hinterkopf knapp neben das Schalker Tor (25.).

Vier Gelbe Karten und “Rudelbildung“

Zwischenzeitlich hatte Jurica Vranjes den Platz mit dem Verdacht einer Innenband-Verletzung bereits verlassen müssen. Petri Pasanen kam und übernahm die Rechtsverteidiger-Rolle, während Patrick Owomoyela ins rechte Mittelfeld und Daniel Jensen auf die Vranjes-Position vor der Abwehr rochierten. Nach knapp einer halben Stunde wurde das Spiel hitziger. Die Fouls häuften sich, und Schiedsrichter Knut Kircher zückte insgesamt vier Gelbe Karten – drei gegen die Werderaner Micoud, Schulz und Fahrenhorst, eine gegen Schalkes Rodriguez. Nach einem Foul von Micoud an Lincoln kam es zur berüchtigten „Rudelbildung“.

Danach wurde wieder Fußball gespielt. Nelson Valdez traf per Kopf beinahe zum 1:0, nachdem Frank Rost sich bei einer Ecke verschätzt hatte (35.). Nach einer Flanke von Micoud hatte der Schalker Schlussmann erneut Glück, Rodriguez rettete vor Valdez (43.). Schalke hatte durch Spielmacher Lincoln zwei erste Möglichkeiten. Erst lenkte Tim Wiese einen Freistoß des Brasilianers mit einem spektakulären Flug über die Latte (39.), dann verfehlte Lincoln das Tor mit einer Direktabnahme knapp (44.).

Unsanfte Landung: Torjäger Miroslav Klose konnte sich gegen Schalke nicht so in Szene setzen wie gewohnt.

In der zweiten Hälfte bot Schalke mit Larsen für Altintop eine zweite echte Spitze auf und hatte erneut den besseren Start. Die besseren Chancen aber besaß weiterhin Werder, wobei die Gefahr meist von Johan Micoud ausging. So wurde ein Zuspiel des Franzosen auf Jensen von Bajramovic gerade noch zur Ecke geklärt (49.). Und nach einem gut getimten Micoud-Pass spielte Valdez den Ball in den Rücken der Schalker Abwehr, doch Owomoyela erreichte ihn einen Tick zu spät (60.). Auf der Gegenseite lief Bajramovic nach Lincoln-Pass allein in den Strafraum, doch Naldos bekam noch ein langes Bein dazwischen und klärte zur Ecke (65.). Während der Schaaf-Elf fortan nicht mehr viel einfiel und das Spiel zwischenzeitlich deutlich an Fahrt verlor, drehte Schalke in der Schlussviertelstunde noch einmal auf.

Schulz’ Bein rettet Werder einen Punkt

Zunächst brachte Daniel Jensen Lincoln kurz hinter der Strafraumgrenze zu Fall – Schiedsrichter Kircher entschied zum Glück für die Grün-Weißen auf Weiterspielen (76.). Zwei Minuten später entschärfte Tim Wiese einen Bordon-Kopfball, und Larsen scheiterte aus der Ferne (83.). Christian Schulz machte schließlich im Liegen eine hundertprozentige Kuranyi-Chance zunichte (88.), indem er einen Schuss mit seinem rechten Bein noch entscheidend abfälschte, und sicherte seiner Mannschaft so das letztlich gerechte Unentschieden.

Für die Werderaner hat das 0:0 eine gute und eine schlechte Seite. Rang drei und damit der Qualifikationsplatz für die Champions League ist bei weiterhin sechs Punkten Vorsprung auf Schalke 04 in greifbare Nähe gerückt. Der zweite Platz aber ist bei noch vier Punkten Rückstand auf den Hamburger SV nicht mehr aus eigener Kraft zu erreichen.

von Kevin Kohues

Werder Bremen – FC Schalke 04 0:0

Werder Bremen: Wiese – Owomoyela, Fahrenhorst, Naldo, Schulz – Vranjes (21. Pasanen) – D. Jensen, Borowski – Micoud – Klose (59. Klasnic), Valdez; auf der Bank: Vander, Andreasen, Lagerblom

FC Schalke 04: Rost – Rafinha, Bordon, Rodriguez (77. Kläsener), Kobiashvili – Poulsen – Ernst, Bajramovic (86. Varela) – Altintop (46. Larsen), Lincoln – Kuranyi

Tore: Fehlanzeige

Schiedsrichter: Kircher (Rottenburg)

Weser-Stadion: 42.100 Zuschauer (ausverkauft)

Gelbe Karten: Micoud, Schulz, Fahrenhorst – Rodriguez

Torschüsse: 17 : 13

Ecken: 7 : 5

Flanken: 15 : 13

Ballkontakte: 54% : 46%

Gewonnene Zweikämpfe: 52% : 48%

Fouls: 32 : 15

Abseits: 1 : 6

Die meisten Torschüsse: Valdez (4) – Lincoln (5)

Die meisten Torschussvorlagen: Micoud (5) – Lincoln, Kobiashvili, Kuranyi (3)

Die meisten Ballkontakte: Schulz (85) – Rafinha (65)

Die Zweikampfstärksten: Naldo (74%) – Bordon (77%)

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